Und schon geht’s wieder los. Bei herrlichstem Frühjahrs- bzw. Sommerwetter mit 24 Grad sitzen wir um 9:25 im ICE 610 auf dem Weg nach Münster. Ute hat die kleinen Koffer vollgepfropft, es soll die nächsten Tage kühler und feuchter werden. Auch in München, also ist es gleichgültig, ob wir bleiben oder fahren. Die letzten Tage herrlich ruhig, abends Taipan gehört, lecker gekocht und zurückgezogen gelebt. Naja, ein wenig Eisbach trotz Verbot- für die Surfer, nicht für mich als Fotograf, ansonsten nicht viel außerhalb der Wohnung. Ach ja, einen Abend war es wieder mal Zeit, Schindlers Liste anzuschauen. Immer wieder wichtig, sich die dunkle Seite der Geschichte unseres Landes ins Gedächtnis zu rufen.
Der Wetterumschwung hat ein wenig Spannung gebracht. Und schlechtem Schlaf. Wir gewöhnen uns nicht mehr ans Münchener Wetter.
Der Zug fährt pünktlich los, soll trotz Stopps an gefühlt jedem Briefkasten nach knapp sieben Stunden in Münster ankommen. Sicher schneller als mit dem Auto.
Münster, 6.5.2026, Johanniter Gästehaus
Die gestrige Fahrt sehr entspannt und informativ. Wie hat letzte Woche in der SZ ein Neurowissenschaftler geschrieben: Wir haben mehr als genug Input, wir benötigen Eindrücke. Und die gab es. Der alte Sackbahnhof in Stuttgart sehr in die Jahre gekommen, der Mannheimer enttäuschend klein, für seine Bedeutung als Knotenpunkt der Bahn, der Frankfurter Flughafenbahnhof schon recht groß. Die Fahrt ein auf und ab. Etliche Abschnitte, auf denen der Zug vor sich hindümpelt, weite Teile werden flott befahren. Da merkt man, was die Bahn kann. Der Zug gleitet leise und ruhig bei 250 km/h vor sich hin. Wir können auch Bahn. Dann Köln, wir halten direkt neben dem Dom. Wir sollten doch mal für zwei Nächte herkommen. Schick ist etwas anderes. Wir zuckeln durch das Ruhrgebiet. Wie soll man hier schnell fahren können? Die Kritiker sollten sich auch mal Gedanken über die dichte Bebauung in diesem Land machen. Die Bahnhöfe Duisburg und Essen wirken grausig. Heruntergekommen, nicht gewartet. Sieht aus wie ehemals in der DDR.
Wir erreichen Münster. Pünktlich auf die Minute, nach sechseinhalb Stunden. Das ist schon was.
Walter und Helgard Melzer erwarten uns schon. Wir fahren kurz in unsere Unterkunft. Als günstigste Variante hat sich das Johanniter Gästehaus angeboten. Immer noch 160€ p.T., mit Frühstück und liegt günstig zu den Melzers. Weiter in ihr Haus. Ein verwunschenes Häuschen, auf den ersten Blick furchtbar voll. Auf den zweiten Blick macht alles Sinn. Ihr Leben ist im Haus und dem riesigen und dicht bewachsenen Garten abgebildet. Walter mit seinen 85 Jahren schon beneidenswert fit, sowohl körperlich wie auch geistig. Helgard 10 Jahre jünger, genau so fit. Beide joggen regelmäßig, strahlen große Energie und Positivität aus und sind noch voller Elan. Es wird viel gequatscht, natürlich auch von der Heilmann Familie. Walter als Großcousin von Ute und großer Geschichtenerzähler hat viel zu erzählen. Beide waren Lehrer und haben ihre Zeit großartig genutzt. Mit der Ente in die Türkei, bis nach Portugal, Indien und Nepal besucht, dazwischen zwei großartige Töchter großgezogen und noch zum Start der Pandemie die USA bereist. Mit 77 Jahren in New York am Times Square in einem Youth Hostel im Stockbett genächtigt. Sind schon spannende Menschen.
Heute haben sie uns Münster gezeigt. Auch wenn der harte Wetterwechsel keine Freude macht, wir haben 9 Grad und Regen, wir wandern tapfer durch die Stadt. Man sieht ihr nicht an, dass sie im WW II zu 90% zerstört wurde. Vieles original zwischen 1951 und 1958 wieder aufgebaut. Merke! In nur sieben Jahren. Wir schauen uns den Dom an, gehen im Picasso Museum in die Ausstellung von Christo und Jean Claude über ihre nie realisierten Projekte, es fällt mir unendlich schwer, von oben die Mosaiksteine zum Portrait von Picasso zusammenzusetzen, das nach einer berühmten Fotografie von Robert Capa entstanden ist. Wir durchqueren die Fußgängerzone. Fahren in einem Regierungsgebäude in den 11. Stock, um einen guten Blick über Münster zu bekommen, bewundern den Prinzipalmarkt und besichtigen den Friedenssaal, in dem 1648 die Verhandlungen zum 30-jährigen Krieg nach fünf langen Diskussionsjahren erfolgreich abgeschlossen wurden. Eine erste und große europäische Friedensverhandlung mit der Gründung der Niederlande.
Weiter in die Dominikanerkirche, in der das Foucaultsche Pendel mit zwei Doppelspiegeln von Gerhard Richter aufgehängt ist. Ein beeindruckendes Kunstwerk. Langsam beenden wir unsere Runde mit einem Abstecher ins LWL-Museum, wo sich die drei im Museumsladen tummeln, während mich eine Treppe fasziniert und ein paar Aufnahmen gemacht werden. Die beiden zeigen uns viele kleine Backstuben, schöne Geschäfte, viele Radfahrer, die sehr flott auf dem nassen Kopfsteinpflaster meist ohne Helm fahren, kurz eine abwechslungsreiche Stadt mit ca. 300.000 Einwohnern.
Wir treffen uns am späten Nachmittag bei Melzers in der Nähe des Aasees, wundern uns, dass der See wegen Überdüngung verseucht ist, schwimmen verboten. Und sind beim Abendessen schon wieder mitten in unseren Lebensgeschichten.
Irgendwann laufen wir zur Unterkunft, trinken noch zwei Bier, Ute packt für morgen und ich schreib auf. Ein dicht gefüllter Tag in Münster.
Donnerstag, 7.5.2026 im RB 66 nach Osnabrück
Mutet schon etwas komisch an. Bekennender Süddeutscher und Ex-BMW-Junkie im Regionalzug von Münster nach Osnabrück. Heute sollen uns drei Regionalzüge nach Hamburg bringen. Erst der RB66 von Münster über … das muss einfach beschrieben werden … Westbevern, Ostbevern, Kattenvenne, Lengerich (West), Natrup-Ost, Hasbergen nach Osnabrück Hauptbahnhof. Immerhin hat der Regen aufgehört. Es ist immer noch kalt, die Sonne blitzt durch die Wolken.
Weiter nach Bremen. Ein grünes Land, nicht so dicht bebaut wie im Süden. Dennoch befällt uns hier da gleiche Gefühl wie vor vielen Jahren, als wir in der Ole Lise gewohnt hatten und mit Ausreden geflohen sind. Wir beide fühlen uns hier beobachtet, kontrolliert und unfrei. Spannende Erfahrung im eigenen Land.
Und jetzt der letzte Stint nach Hamburg. Noch sitzen wir auf Gleis 10, ist wohl ein Ersatzzug. Recht gut besucht, wobei die fehlende Entspanntheit der Fahrgäste am Bahnsteig reichlich übertrieben war. Ach ja, hab‘s ja vergessen, wir sind im „Ich“-Land. Die 75 Minuten rollen auch noch gemütlich so vor sich hin. Ankunft in Hamburg bei recht bayerischem weiß-blauen Himmel. Etwas wärmer als in Münster, wenn auch nicht so wie urspr. angekündigt. Egal, es ist trocken. Über den Steintordamm direkt ins Museum für Kunst und Gewerbe. Zwei Ausstellungen sind unser Ziel. Koffer weggeräumt und nichts wie rein. Zunächst XULI.BET, eine Modesammlung des Labels von Lamine Badian Kouyaté, des 1962 in Mali geborene Modesigners. Seine Ausrichtung ist bezahlbare Mode aus recycelten Materialien. Herrlich bunt und dennoch für die Straße geeignet. Eine kleine, aber feine Ausstellung. Anschließend einen Stock höher - das ist ein Museum nach unserem Geschmack - in die ebenso kleine und feine Ausstellung „FRÜHER HIESSEN WIR GASTARBEITER.“ Die Beschreibung auf der Webseite: „Das MK&G erweitert seine Sammlung um zentrale Arbeiten der Fotograf*innen Muhlis Kenter, Nuri Musluoğlu, Asimina Paradissa und Mehmet Ünal. Sie kamen in den 1960er- und 1970er-Jahren aus der Türkei und Griechenland nach Deutschland und dokumentierten das Leben, Arbeiten und ihr politisches Engagement aus migrantischer Perspektive. Die Ausstellung „Früher hießen wir Gastarbeiter.“ zeigt rund 80 Fotografien und Collagen, die den Alltag von Menschen mit und ohne Migrationsgeschichte in der Bundesrepublik abbilden und soziale Ungleichheit, Sexismus, Rassismus sowie das Leben im Exil thematisieren. Damit eröffnen sie einen wenig beachteten Blickwinkel auf gesellschaftspolitische Themen, die bis heute hochaktuell sind“. (Webseite MK&G).
Ein Zwischen-Kaffee in der schicken Distille (Café und Restaurant im Museum) bringt Kräfte zurück. Ein Rundgang durch die Designermöbelabteilung mit schicken Exponaten der Art Deko Zeit und etwas schrillen Stücken aus der Moderne und der abschließende Spiegelgang sollen es dann auch gewesen sein. Im Spiegelgang wird sehr spannend dargestellt, wie sich die Studien des Spiegel Covers bis zum Druck entwickeln. Über die letzten 65 Jahre sind Ausgaben mit jeweils fünf unterschiedlichen Entwürfen aufgehängt. Beeindruckend! Dann die Koffer geholt und mit der U-Bahn U3 zum Rödingmarkt, von wo es nicht weit zum Motel One an der Fleetinsel ist. Wir haben ein etwas größeres Zimmer mit Balkönchen und Blick auf den Michel gebucht. Ein wenig Durchschnaufen tut gut.
Danach ab ins Portugiesische Viertel zum Abendessen. Sind nur ein paar Minuten und dann haben wir die Qual der Wahl. Ok, Essen so lala, die Atmosphäre ganz ordentlich aber kein Reiz zur Wiederkehr. Es wird bald 21:00, wir gehen die paar Meter zum Michel. An der Kasse eine junge offene Frau, wir ratschen und kaufen die Karten. Vor uns ein junges Paar, elendslang, die Trompeterin und ihr Mann. Sie nehmen uns im Lift mit hoch, ein gutes Gespräch. Da nicht viel los ist, dürfen wir bei ihnen bleiben. Sie spielt sich ein, ihr Mann erklärt uns den Ausblick auf das abendliche Hamburg. Die Elbphilharmonie erstrahlt in der untergehenden Sonne beinahe schwarz wie Ebenholz. Wir sehen die Fontänen des Springbrunnens der Binnenalster, das schöne Gebäude von Gruner & Jahr, welches leider leer steht. Sobald um 21:00 die Glocken verklingen, spielt Neele Laudin, wie ihr Name von der Webseite vom Michel erklärt, am Fenster. Keine Einwände gegen ein paar Aufnahmen. Ein paar Takte in jeder Himmelsrichtung. Wir ratschen zwischendurch weiter und erfahren, dass sie am Wochenende sie mit dem Nachtzug nach München fahren. Freunde aus Australien sind zu Besuch. Europe in 24hrs. Der Blick auf Hamburg sensationell. Die blaue Stunde zeigt die Stadt von der besten Seite. Wir fahren ganz nach oben. Es wirkt schon etwas ungemütlicher, immer noch von der Aussicht begeistert. Die freie Wendeltreppe von den 100 Metern Höhe, auf denen wir uns befinden bis auf 123 Meter schenke ich mir doch. Zu frei, zu kühl, zu hoch. Wieder mit dem Lift hinunter und zurück ins Hotel. Noch einen Absacker in der Bar und jetzt noch einen Blick aus dem Fenster in den blauen Nachthimmel mit dem Michel direkt vor uns. Ein guter Start in Hamburg.
Hamburg, Freitag, 8.5.2026
Heute ist Tag der Befreiung und doch fühlt es sich an, als ob der hässliche Mann in den USA uns alle in seinem Würgegriff hat. Jeden Tag terrorisiert er die Welt. Egal, unser Wecker terrorisiert uns nicht, obwohl er uns sehr früh weckt. Die herrliche Morgendämmerung hatte uns schon ein orangefarbenes Licht und einen entsprechenden Blick auf den Michel geschenkt. Unser Zimmer liegt so ideal, wir müssen nur die Augen öffnen und schauen direkt auf das Hamburger Wahrzeichen. Ein herrlicher wolkenloser Tag mit knackig blauem Himmel.
Gefrühstückt wird nicht mehr im Motel One. Deren Angebot kennen wir schon zur Genüge und aus vielen ihrer Standorte. Um die Ecke liegen mehrere kleine Kaffees, eines davon, das Amber, hat uns angesprochen. Ein feines Angebot und wir sind hinterher beide knackvoll davon.
Ab zur S-Bahn Landungsbrücken, wir fahren raus nach Blankenese. Das Treppenviertel ist das Ziel. Der Ort sehr gediegen, der Reichtum spürbar. Umso erstaunter sind wir, dass die Immobilienpreise deutlich unter München liegen. Der Spaziergang die Treppen hinab zur Elbe, mitten durch die Wohnviertel, gesäumt von grünen Bäumen, großen bunt blühenden Büschen und vielen Vogelstimmen ist schon sehr besonders. Eine ruhige, von der großen Welt abgekapselte eigene Welt. Sie fühlt sich am heutigen Tag sehr südlich an, fast ein wenig kühles Monte Carlo. Sehr viel Privatsphäre finden die Menschen hier nur schwer. Sie können sich bedingt durch die enge Bauweise auf den Esstisch btw. ins Schlafzimmer schauen. Unten an der Elbe angekommen, pfeift der Wind ins Gesicht und auf dem Leuchtturm auch noch die kühle Temperatur. Der Rückweg führt über eine andere Treppe, recht steil, dafür nicht so lang durch eine nette Wohngegend. Fit sollten die Bewohner schon sein, wenn sie ihre Einkäufe nach Hause bringen wollen.
Wir fahren zurück und verdauen etwas unsere Eindrücke. Immer wieder kommen Vergleiche mit München in den Sinn. Wikipedia sei Dank finden wir auch einen großen Unterschied. Natürlich ist es auch die Kultur, dass Hamburg so viel entspannter als unsere Heimatstadt ist. Ein großer Teil der gefühlt immer weiter zunehmenden Hektik und Ellenbogengesellschaft ist der Bevölkerungsdruck, den wir zuhause wahrnehmen. Hamburg hat mit 1,8 Mio. Einwohnern zwar noch dreihunderttausend Menschen mehr an Bord, jedoch ist Münchens Bevölkerungsdichte fast doppelt so hoch wie hier. Und genau das spüren wir und das entfremdet uns zusehends von München. Hamburgs Gelassenheit sei Dank ist wieder ein Rätsel gelöst.
Und weiter geht’s um kurz vor eins. Dank der wunderbaren Lage des Motel One Fleetinsel sind wir in ein paar Minuten an den Landungsbrücken. Das 837ste Hamburger Hafenfest läuft an. Die Freßbuden, Bierausschänke etc. laufen bereits. Die besten Plätze natürlich zwei, drei vierreihig besetzt. Dann beginnt gegen 13:30 langsam die Einlaufparade begleitet von einer sehr guten Moderation, die über die Lautsprecheranlagen klar zu verstehen ist. Es wird gesungen, erklärt, erzählt, wir haben eine ganz ordentliche Sicht auf die Elbe. Wir lernen, dass die Boote, das würden wir schon längst als große Schiffe bezeichnen, wasseraufwärts und gegen den leichten Wind fahren müssen. Deshalb sind auch die Segelschiffe motorgetrieben unterwegs und die Parade zieht sich durch die langsame Geschwindigkeit etwas hin. Macht nichts, es strahlt die Sonne, die Temperaturen bei netten 16 Grad, die Menschenmassen heizen die Landungsbrücken auch noch auf. Da kommen Zollschiffe, Marineboote, Hochseerettungsboote, eine ganze Menge an Segelbooten etc... Bei offiziellen Schiffen wird die Hymne des Heimatlandes gespielt. Ist doch in Ordnung. Wir hören oft die Deutsche, dann die Norwegische, Dänische, Englische und auch die Schweizer Nationalhymne. Generell eine schöne Atmosphäre, die Menschen friedlich und gut drauf. Also schöner als bei uns sind die Menschen hier auch nicht (Zitat Ute). Trotz des umfangreichen Frühstücks täte ein Happen zu Essen gut. Ute hatte sich anlässlich einer Sendung mit Tamina Kallert und Björn Freitag eine innovative „Frischbrötchen Bude“, das Underdocks an den Landungsbrücken aufgeschrieben. Wir finden die kleine Bude und gönnen uns ihre Spezialitäten und je ein kleines Bier. Was für eine Offenbarung. Das Streetfood hervorragend, wir beobachten die Schiffe, alleine deshalb hat sich die Fahrt nach Hamburg schon gelohnt.
Dann wieder ein wenig Pause, da auf Dauer die Unmenge an Menschen uns doch zu viel werden. Und da kommt in der SZ im Ticker die Meldung, dass der neue OB Krause die Welle wieder geöffnet hat. Alles wird gut.
Gegen 18:00 treibt es uns noch einmal zu den Landungsbrücken. Der Hafengeburtstag will doch ausreichend genossen sein. Die Stimmung immer noch heiter, gefühlt Hunderttausende sind unterwegs. Kommt eine Truppe Marinemusiker an, wir hängen uns hinten dran und folgen ihnen auf eine der Landungsbrücken. Sie stehen vor der HMS Sutherland. Ein Empfangskomitee bzw. Rezeption bestehend aus Marineoffizieren überprüft jeden, der an Bord will. Da findet eine offizielle Veranstaltung statt. Also Basecap nach hinten, Kamera gezückt und Aufnahmen geschossen, was das Zeug hält. Frech hinter dem Kommando hab ich einen schönen Blick auf die Reling. Nach ein paar Minuten nehmen die Soldaten und Musiker mich als einen Pressefotografen wahr und Lächeln beim Gang über die Reling. Jetzt kommen die Musiker. Auch sie behandeln mich wie einen Pressefotografen. Mal sehen, was die Bilder hergeben. Wir schauen eine ganze Weile zu, ist schon beeindruckend, wie die Marine ihre Prozesse und ihre Achtung leben. Wenn ein wichtiger Offizier an Bord geht, pfeift ein Soldat, der Offizier salutiert erst straff der britischen Flagge, egal ob Deutscher oder Engländer und salutiert anschließend seinem Begrüßungskommando. Das sind die Männer und Frauen, auf die wir uns im Ernstfall verlassen. Eine ganze Menge Soldaten tragen ein Emblem vom Red Storm Charlie. Im September wird in Hamburg eine Ernstfallübung stattfinden, wie letztes Jahr Red Storm Bravo. Beeindruckende Menschen.
Langsam werden wir etwas schlapp, sind heute schon viel gelaufen. Noch Tickets für Morgen am Michel geholt und dann zurück ins Hotel, es gibt kein Abendessen mehr, war heute eh viel zu viel. In der Bar noch zwei Glas Wein für Ute und zwei G&T für mich, dazu ein paar Nüsse. Wieder ein spannender Tag. Jetzt um 22:15 steht der Michel voll in der blauen Stunde vor uns. Wolkenlos und atemberaubende Atmosphäre.
Hamburg, Samstag, 9.5.2026
Wieder ein mit Sonne beginnender Morgen, an dem für unsere Verhältnisse früh aufstehen und zum Kaffee Amber um die Ecke frühstücken. Die Entscheidung, das große Hotelfrühstück sein zu lassen und auf Selbstbestimmung zu setzen, ist die richtige. Im kleinen Kaffee bieten sie leckere Sachen an. Heute ein Jogurt mit Früchten und Crunch, dazu ein großes Croissant mit Butter und Marmelade und noch einen Pot Café Crema. Bei Ute endlich das langersehnte Franzbrötchen.
Der Weg führt uns jetzt durch die Stadt; Alter Wall, Neuer Wall, Karl-Lagerfeld-Promenade. Letztere ist leider ein unscheinbarer sehr liebloser Weg, der im rückwärtigen Teil der Einkaufsstraße liegt. Das hat der Mann der Eleganz nicht verdient. Irgendwann stehen wir vor dem Rathaus, das wir erst einmal rechts liegen lassen, wir überqueren an der Binnenalster den Jungfernstieg. Es ist noch vor den Ladenöffnungszeiten, wenige Menschen unterwegs, was sich nach 10:00 ändert. Von hinten an den Rathausmarkt und natürlich findet sich ein Weg ins Rathaus. Wir können uns noch gut daran erinnern, dass wir bei unserer ersten Hamburg-Fahrt vor Urzeiten im Ratskeller gegessen hatten - heute heißt es das Parlament - und dort Loki Schmid beim Essen gesehen hatten. Heute bietet das Rathaus eine kleine Ausstellung mit Schautafeln der diesjährigen Partnerstadt zum Hafenfest, Liverpool. Selbstverständlich kommen Kevin Keegan, der alte HSVler vor und mehrere Tafeln widmen sich den Beatles und ihren Auftritten hier in Hamburg. Immer wieder kann Neues gelernt werden. Stuart Sutcliffe war bislang eher unbekannt, er ist leider mit 21 Jahren an Hirnblutung gestorben. Eine Tafel weist auf das Beatles Denkmal auf der Reeperbahn hin. Vielleicht schaffen wir es am Montag noch.
Gegen 11:00 steuern wir unseren ersten Tagespunkt an, die F.C. Gundlach Ausstellung im Bucerius Kunstforum. Sehr schicke Räume, vor allem etwa 800 seiner Fotografien bzw. aus seiner Sammlung. Übersichtlich kuratiert, fein gehängt, nach 90 Minuten sind wir platt. „Too much of information“. Die Aufnahmen von F.C. Gundlach, dem ikonischen Hamburger Modefotografen des letzten Jahrhunderts sind schwierig. Schwierig insofern, dass die Aufnahmen von Irvin Penn oder Richard Avedon klarer strukturiert scheinen, sich völlig auf das Model konzentrieren, während F.C. Gundlachs Aufnahmen das Umfeld einbeziehen und thematisieren. Damit sind wesentlich mehr Informationen in seinen Aufnahmen. Und die wollen verarbeitet werden. Fotografie ist schon unsere Gattung.
Danach treibt es uns wieder auf die Jan-Fedder-Promenaden. Um die Mittagszeit schon dicht bevölkert. Links runter auf eine Landungsbrücke, wo auf einem Schiff ein Chor sein Bestes gibt. Gute Stimmung. Hunger und Durst kommen. Dann eben ein, zwei Matjessemmeln, die fantastisch schmecken und ein Pils zu Mittag. Aber nur eines, sonst ruft Morpheus sofort. Die Zeit bis zum nächsten Highlight verbringen wir schauend. Auf einer Treppe bietet sich ein ordentlicher Platz, wir warten … Menschenmassen wieder um uns herum. Um 15:15 beginnt die Schlepperparade. Wieder so ein Hamburger „Ding“. Auf den ersten Blick nicht so prickelnd, wir sehen auch nicht alles. Auf den zweiten Blick faszinieren die vier Schlepper, die auf der Elbe präzise Bewegungen zur Musik vorführen. Ihre Wank Bewegungen sind schon abenteuerlich. Dazu pustet das Feuerwehrschiff riesige Fontänen aus den Schläuchen. Schwer zu beschreiben, noch schwerer zu fotografieren, ganz einfach zu erleben und zu genießen. Höllenkapitäne, wie die, wie Ute sagt, auf einer Briefmarke im Wasser rangieren. Was für eine Show.
Danach Pause im Hotel. Heute kommt ja noch etwas.
Nach etwas „Vorausruhen“ kommt Appetit. Lasst uns doch noch einmal Richtung Landungsbrücken gehen und ein Fischbrötchen (ja, das heißt hier so) und ein Bier verzehren. Wir gehen also gegen 20:30 die paar Meter vor und bleiben etwas konsterniert stehen. Ne, das tun wir uns nicht an, in diese Massen stürzen wir uns nicht. Aus der S-Bahn am Baumwall quellen Unmengen von Menschen. Ein endloser Strom, der sich mit dem bereits endlosen Strom von Gästen vermengt. Es ist schwer, einen Vergleich mit dem Oktoberfest zu ziehen. Es kommt mir noch voller vor. Zum Vergleich besuchen die Wiesn in 16 Tagen etwa 6,5 Millionen Menschen, hier werden in zweieinhalb Tagen 1,1 Millionen Besucher erwartet. Die Fläche mag am Hafen etwas größer als in München sein. Do your Math. Also umgedreht und zurück in einen kleinen Nebenarm des Hafenfestes gegangen, der schon leer war und die Standbesitzer am Aufräumen waren. Ach, ein Krabbenbrötchen und ein Bier geht noch. Sie nehmen es hier von den Lebenden. Die Halbe heute Mittag mit Pfand 10€, das leckere Krabbenbrötchen 8,50€. Hat sich dennoch gelohnt.
Gegen 21:30 machen wir uns zum Michel auf. Ein Highlight kommt noch. Die Tickets gestern schon gekauft, an der Kasse zum Nachtmichel ist noch nicht viel los. Der Aufzug bringt uns auf die 109 Meter hohe Plattform. Die wenigen Bänke am Rand des Turms schon belegt, ausreichend Platz findet sind in der Reihe dahinter. Dauert ja noch eine Stunde. Unten im Hafen steppt der Bär. Von einer gewaltigen schwimmenden Bühne, hell, ne grell erleuchtet brüllt schrecklich laut schreckliche Musik zu uns hinauf. Direkt dahinter liegt eines der Aida-Schiffe. Also falls das die letzte Möglichkeit zu Reisen wäre, blieben wir daheim. Überall viel Licht, selbst die Boote auf der Elbe sind bunt erleuchtet. Schon ein nettes Spektakel. So langsam füllt sich die Plattform. Gut, dass wir schon so zeitig hier oben waren. Die besten Plätze laut dem Verantwortlichen sind auf der über uns liegenden Wendeltreppe, ne ne, wir bleiben, wo wir sind, und genießen den prächtigen Ausblick auf Hamburgs Hafenszene. Ja gut, es dauert schon noch eine ganze Weile, wir hören den Unterhaltungen der jungen Menschen um uns herum zu bis wir die Ohren lieber zuklappen. Alle Viertelstunde ertönen die Kirchenglocken direkt über uns. Ganz schön laut, bei der Viertel-, Halben auch Dreiviertelstunde noch erträglich. Der 22:00 und dann später noch der 23:00 Schlag gehen unter die Haut. So was erlebt man auch nicht jeden Tag. Mit einiger Verzögerung beginnt das Feuerwerk um kurz nach elf. Ist schon prachtvoll, was sie hier abfeuern. Immer höher und höher fliegen die Raketen. Und doch können wir die Show immer noch von oben bewundern. Der letzte Kracher kaum verklungen, der letzte großartige Feuerwerkskörper erloschen, fangen alle Boote, Schiffe, Clipper, was auch immer auf der Elbe herumschippert, an, ihr Horn erklingen zu lassen. Schnell schieb ich Ute durch die Zuschauerreihen, um nicht ewig warten zu müssen. Es sind vielleicht 50 bis 100 Menschen hier oben, unten wären es mehrere Hunderttausende gewesen. Pro Liftfahrt kommen acht Personen runter, kann also etwas dauern. Wir stehen so für die zweite oder dritte Abfahrt an, geht also. Die Leute vor uns werden ungeduldig und wenden sich vermehrt den Abstiegstreppen zu. Und schon sind wir gleich bei der ersten Abfahrt dabei. Hat sich gelohnt, hier oben gewesen zu sein.
Auch, wenn’s schon Zeit wäre, einfach so ohne nachzuverdauen ins Bett zu gehen, wäre auch nicht schön. Kurz nach dem Michel nimmt der Strom an Menschen, die nach Hause wollen, wieder kräftig zu. Die Straßen mit Autos verstopft, wir haben es zu Fuß nicht weit ins Hotel. Vielleicht gibt’s ja noch etwas zu trinken. Auch, wenn wir noch bei den ersten Rückkehrern sind, die meisten kommen von den Landungsbrücken, ist die Bar schon gut besucht. Am Tresen ist noch gut Platz, wir bestellen ein Bier und schauen dem Team zu. Die fünf Menschen haben richtig richtig viel zu tun. Einer der Barmänner rennt sogar teilweise hinter dem Tresen auf und ab. Die uns zugewandte, große und etwas vollere junge Bardame arbeitet, wie alle anderen mit hohem Tempo und voll fokussiert, hat immer noch Zeit, das eine oder andere Wort mit uns zu wechseln. Ganz gebannt beobachten wir das Treiben. Der Prozess an der Bar ist hochgradig optimiert, Wege und Handgriffe minimiert, das Team arbeitet beeindruckend gut zusammen, jeder übernimmt Aufgaben von anderen, kein Leerlauf, keine Wartezeit. Da geht dann noch ein Bier und gegen 1:00 liegen wir im Bett …
Hamburg, Sonntag, 10.5.2026
… nur um 3:30 wieder aufzustehen. Heute steht der berühmte Hamburger Fischmarkt auf der Wunschliste. Wir können später ausruhen. Deutlich zu früh kommen wir an der S-Bahn-Station Stadthausbrücke an und warten ein paar Minuten auf die S-Bahn Richtung Reeperbahn. Erst kommt auf der Gegenstrecke ein Zug an, wir trauen unseren Augen nicht. Die Wagen sind voll, einige übervoll. Es ist 4:30, viele Feierbiester fahren nach Hause. Unser Zug kommt, nur zwei Stationen, Ausstieg, Aufstieg, es ist noch dunkel. Den Weg zum Fischmarkt gleich gefunden, junge Menschen hängen nach einer langen Nacht herum. Kurz vor fünf Uhr sind wir da. Haben wir uns etwas anders vorgestellt. Ein paar Buden, viele noch zu, erste Obsthändler verkaufen ihre Ware, ein paar Trödelbuden, zwei drei mobile Kaffeemaschinen, ne ganze Menge Buden bzw. Stände mit Fischbrötchen. Langsam dämmert es leicht orange. Wir stehen an der Elbe, kurz nach fünf. Unten auf nem Pier frühstücken ein paar Nachtschwärmer, wirkt sehr entspannt. Wir sind etwas enttäuscht, hatten uns irgendwie mehr vorgestellt. Auch die Fischhallen sind geschlossen. Je öfter wir die Stände ablaufen, desto mehr Läden machen auf und desto mehr Details öffnen sich. Es kommen mehr und mehr Menschen, die Stimmung steigt. Ach ja, da ist ein Stand mit frisch geräuchertem Aal und Forellen und da ein richtiger Fischstand. Erste Marktschreier übertreffen sich. Doch ganz schön hier. Unter die Hamburger und Touristen mischen sich Reste vom Feiervolk von der nahen Reeperbahn. Noch einmal auf und ab, Fischbrötchen ja, Krabbenbrötchen nein, lass mal. Es wird voll, wir gehen eine breite Treppe hoch, versuchen es zumindest. Überall Flaschen, Scherben, Dreck, Müll. Es dürfte gegen 5:30 sein. Der erste Mann in Orange von der Stadtverwaltung erscheint, es sammelt intakte Flaschen. Wir heben den Kopf und sehen mehr und mehr Menschen in Orange. Ein kleiner Blonder sieht, dass wir den Kopf schütteln, spricht uns an. Total vergnügt und fröhlich. Ob wir hier Urlaub machen? Na klar, es entspinnt sich ein kurzes nettes Gespräch. Heute Morgen ist ganz schön viel zu tun, sie seien sicher mit 100 Mann unterwegs, um aufzuräumen. Sie müssen nachher noch auf die Reeperbahn. Wir sehen mehr als ein Dutzend davon, Männer wie Frauen in Orange. Mit Besen, Saugbläsern, Kehrichtschaufeln, Tüte, sie arbeiten sich durch die Glasscherben, weggeworfenes Essen usw. usw... Voller Respekt bedanken wir uns, winken und lachen noch anderen Orangenen zu, die alle zurückwinken und lachen, seltsame Welt. In Gedanken geht’s weiter, wir wollen noch zum Beatles Denkmal. An einer großen Kreuzung der Straße namens Reeperbahn nehmen die Nachtschwärmer zu. Eigenartige Szenen spielen sich in den paar Minuten ab, in denen wir hier sind. Zwei junge Mädchen halten zwei angriffslustige Jungs in einer Gruppe vom Kämpfen ab, mehrere Gruppen junger Mädchen, die offensichtlich alle stocknüchtern sind, lachen sich nach Hause, ein paar Gruppen migrationsgemischter Typen lungern herum, Hauptsprache Hamburgisch, sieht alles ganz harmlos aus, wenn die total besoffenen oder unter Drogen stehenden Typen nicht wären. Trotzdem ist hier am Rande der Reeperbahn von Aggression nichts zu spüren. Der Beatles-Platz zum Taxistand degradiert, die Statuen völlig zugeklebt, hier lungern ein paar unfreundlich wirkende Typen herum. Ne, die Kamera bleibt in der Tasche. Umdrehen und schnell zur S-Bahn lautet die Devise. Der Bahnsteig ziemlich versifft, kaputte Typen hängen herum, auch zwei jüngere offensichtlich komplett fertige Menschen, Mann und zahnlose Frau. Verhalten ist unterirdisch, sie machen jedoch niemanden an. Drei Stationen zurück, mit dem Auftauchen aus dem Untergrund tauchen wir gefühlsmäßig wieder aus dem Hades auf und sind in der schönen sauberen Welt. Verrückter geht’s doch gar nicht mehr. Aufgedreht, dennoch etwas müde legen wir uns um 6:30 noch einmal ins Bett und pennen eine Stunde.
Erfrischt gehen wir hungrig ins Café Amber und frühstücken erst einmal ein Pferd. Lassen uns anschließend wieder zur Jan-Fedder-Promenade treiben. Es ist noch zeitig am Tag, die Mehrzahl der Buden noch geschlossen, wenige Gäste, sehr schön. Vor der HMS Sutherland präsentiert sich die Bundeswehr, na klar suchen sie Nachwuchs. Alles ziemlich große Kerle und als ich das laut ausspreche, ernte ich ein breites Grinsen von einem großen und ziemlich sportlich gebauten Soldaten, ein breites Grinsen eines Schwarzen. Mensch tut das gut. Wir besuchen noch ein Boot der Fischereikontrolle, erfahren einiges über die mächtige Dieselleistung und das befahrene Gebiet, das bis Kanada reicht. Die Sonne scheint, es ist warm und wir setzen uns auf die Treppen und schauen dem bunten Treiben auf dem Wasser und zu Lande zu. Gegen Mittag kommt doch die Müdigkeit stärker - Pause.
Geht nicht mehr, platt. Später eine längere Diskussion, was es zum Abendessen geben könnte. Noch ein leckeres Fischbrötchen? Ne, irgendwas Frisches ist angesagt. Ordentlich Abendessen? Ne, viel zu teuer und viel zu viel. Dazu war das Frühstück zu üppig. Doch wieder ins Portugiesenviertel um die Ecke? Ui, die haben Salat! Nichts wie hin, etwas Tapas, Salat, Wasser und viel Wein und wir sind glücklich. In der Hotelbar noch Drinks und we made our day. Wir sind platt für heute.
Hamburg, Montag, 11.5.2026
Pünktlich nach Ende des Hafengeburtstags beginnt das Schietwetter, es nieselregnet. Den geplanten Hummel Bummel Weg verschieben wir, als wir beim Michel ankommen. Zu nass, zu windig. Wir besuchen die Krypta und lernen sehr viel über Hamburg, seine Geschichte, seine Kultur, seine nicht unkritische Einstellung zur braunen Herrschaft. Um Martin Niemöller zu zitieren:
„Als die Nazis die Kommunisten holten,
habe ich geschwiegen; ich war ja kein Kommunist.
Als sie die Gewerkschafter holten, habe ich geschwiegen;
ich war ja kein Gewerkschafter.
Als sie die Sozialdemokraten einsperrten, habe ich geschwiegen;
ich war ja kein Sozialdemokrat.
Als sie die Juden einsperrten, habe ich geschwiegen;
ich war ja kein Jude.
Als sie mich holten, gab es keinen mehr, der protestieren konnte.“
Sehr spannende Einsichten, die uns immer wieder bestätigen, den Weg zu gehen, den wir gehen [ernsthaft vorhaben, zu gehen].
Gibt es denn in München auch einen zentralen Ort, an dem so kompakt die Geschichte der Stadt zumindest im Abriss dargestellt ist? Gut, dass es regnet. Dann ruhen wir uns eben aus. Gut, dass wir nicht nach Berlin fahren. Die Eindrücke sind bislang schon kräftig und wollen verdaut werden.
Nachmittags reißt der Himmel etwas auf und die Landungsbrücken rufen. Alles abgeräumt, als ob kein Hafenfest gewesen wäre. Von der Landungsbrücke No. 3 geht die Fähre 62 ab. Ist schon irre für uns Binnenländler, die Fähren gehören zum HVV, dem Hamburger Verkehrsverbund. Damit gilt unser D-Ticket. Erster Halt Fischmarkt. Mensch, wenn die Fähre am Sonntagmorgen auch gefahren wäre, ist sie aber nicht. Die gut gefüllte Fähre verkehrt bis Finkenwerder, wo unser Ausstieg ist. Airbus hat hier ein Werk, ansonsten wirkt die Elbinsel wie ein Wohnort. Schöne Klinkerhäuser, gepflegt, begrünt, sieht alles recht entspannt aus. Überhaupt … entspannt. Ganz anders als in München. Da kommt uns wieder der unterschiedliche Bevölkerungsdruck in den Sinn. Mit dem Boot geht’s zurück und das soll es jetzt auch gewesen sein. Den Museumshafen Oevelgönne schenken wir uns. Die Fähre hatte dort angelegt, das ist jedoch Nix für uns. Packen, Abendessen, noch ein Drink in der Bar, das war dann bald Hamburg. Noch nicht ganz. Die Sonne geht unter und zeigt uns bei klarem Abendhimmel mit einem Reststreifen Sonnenlicht den Michel und den Blick auf die umliegenden Gebäude - herrlich.
Kassel-Wilhelmshöhe, Dienstag, 12.5.2026
Wir rollen im ICE 789 zurück. Es fühlt sich an, wie jedes Mal, wenn wir mit der Bahn unterwegs sind. Es fühlt sich angenehm, leicht sediert und sehr entspannt an; du musst dich um nichts kümmern, lässt Gedanken fliegen und schaust der Geschwindigkeitsanzeige zu, die schon mal jenseits der 250 km/h anzeigt. Zwischendrin aufstehen und sich strecken, Kaffee holen oder einfach nur dösen. Das ist jetzt die siebte Fahrt in diesem Jahr, bis auf eine alle pünktlich. München - Luzern war etwas später dran, Luzern - München, München - Münster, Münster - Osnabrück, Osnabrück - Bremen, Bremen - Hamburg und bis jetzt Hamburg - München. Alle pünktlich. Einmal rund um Deutschland und alle Fahrten sehr angenehm.