November 2025 - Western Cape und Botswana.

Keine einfache Angelegenheit. Wir alle wissen spätestens seit Karl Valentin: "Schwer ist leicht was"

Irgendwann nach den Bundestagswahlen 2025 hat uns der Hafer gestochen, eine Idee, die immer noch komplett unreif ist, kam auf. Im Juni Flüge, eine Ferienwohnung in Somerset West und eine Mobile Safari in Botswana gebucht. Eher beiläufig die Unterlagen für ein "Retired Visa" beschafft. Anfang September vollständig, sind wir auf das Generalkonsulat Südafrikas am Sendlinger Tor Platz gegangen, haben uns im Treppenhaus hintangestellt und fanden uns 90 Minuten später in einem kleinen Kabuff vor einer Sicherheitsscheibe, hinter der ein nicht unfreundlicher Konsulatsbeamter saß. Die Unterlagen "fast" perfekt, sollten wir uns keine Gedanken machen. Das Visum kommt rechtzeitig. Naja das schon, aber doch verdammt knapp. Mittlerweile entstanden auch einige Kontakte zu lokalen Maklern. Wenn wir uns heute am 28.10.2025 anschauen, wissen wir nicht, wie es enden wird. Ist auch komplett egal - ein Abenteuer wird es auf jeden Fall. Anschließend noch eine Safari im Zelt mit der Strecke von Maun bis Kasane in Botswana. Am 29.10.2025 geht's los. Direktflug München Kapstadt.

Im Flugzeug 19:30 - ready for take-off. Maschine gut gefüllt. Gut, dass wir zwei  Gangplätze haben. Der Mittelplatz neben mir ist frei. Ute hat leider keine Luft neben sich. Wir können ja beliebig tauschen.

Meine Nachbarin und ihr vor uns sitzender Mann fliegen für zweieinhalb Wochen nach Kapstadt und wie wir weiter nach Somerset West. Wollen sich auch etwas umschauen. Sie hatten schon einmal mit Freunden ein Haus hier, haben das verkauft. Freunde von ihnen sind jetzt ausgewandert. Ist schon eigenartig. Waren schon öfter in Kapstadt. Sind über die Weinregion nicht hinausgekommen. Johannesburg, Krügerpark, Botswana, Karoo große Fragezeichen. Nach 26 Jahren in Hamburg wieder nach Bayern zurück und haben sich in Landshut ein Haus gekauft. Hamburg hat sich anscheinend negativ verändert. 

Somerset West, Summer Place 30.10.2025, 22:30

Etwas geflasht machen wir Feierabend. Ein traumhafter, wenn auch anstrengender Tag geht zu Ende. Der Flug ganz ok, die Crew sehr freundlich und fix - ja, in der Lufthansa, mit der wir immer beste Erfahrungen gemacht haben. Viel geschlafen haben wir nicht. Dazu fehlt der Platz. Egal. Nach 11 Stunden Direktflug touch down um 7:00 in Kapstadt. Wir sind beinahe etwas enttäuscht. Es fehlt der intensive Geruch nach der roten Erde um Johannesburg, für uns immer ein Zeichen, dass die zweite Heimat erreicht ist. Ging dann ganz schnell, das Wetter mit 26 Grad traumhaft, blauer Himmel, Blick auf die Berge. Der Flughafen eher klein. Wir sind schnell durch die Immigration. Unser Visum extra erfasst. Koffer da, raus zum Vodaphone Stand, SIM Karte mit ein paar Hemmnissen beschafft, immerhin begrüßt mich der Verkäufer mit welcome back home. Auf meine Fragezeichen im Gesicht, meint er nur: „ Your accent just changed to South African“. Ab zum Europcar. Der Mann am Counter meinte nur, ach Ihr seid Deutsche. Dann bekommt Ihr ein deutsches Auto - einen VW. Da scherze ich mit meiner BMW Historie, will er mir glatt einen BMW geben. Abgelehnt, ist mir zu auffällig. Und los geht’s auf die N2, vorbei an Khayelitsha, auf 500.000 bis 2,5 Millionen Bewohner geschätztes Township. Bloß nicht reingeraten, das könnte heftig werden. Kurz darauf sind wir in Somerset West und treffen vor der kleinen Wohnanlage unsere Vermieterin, Walle Hartmann. Sympathische Frau in ihren Siebzigern, Achtzigern, auf jeden Fall topfit. Wir betreten die Wohnung und sind gleich schockverliebt. Lassen wir das erst einmal einfach wirken.

Nein, sie liegt nicht in einem Security Compound sondern mitten in der Stadt. Old town ist der Begriff. Schon wieder eine Ähnlichkeit zu Europa. Nahe der Main-Street und doch komplett ruhig. An die reduzierte Geschwindigkeit dürfen wir uns erst noch gewöhnen.

Nach dem Frischmachen gehen wir die paar Meter zum SPAR um die Ecke, um ein Paar Basisdinge einzukaufen und trauen unseren Augen bzw. Ohren nicht. Wursttheke wie in Bayern, Bier aus Bayern, viele alte Menschen mit Dialekt aus Bayern, der Schweiz und Österreich. An der Kasse ein Mann zu seiner Frau: „Du, i hob fei nur oa Scheibm Leberkas gkafft“. Spooky.

Die Mischung der Menschen hier am gleichen Ort fühlt sich komplett anders als in Pretoria an. Sehr entspannt, egal ob Afrikaner oder Europäer, ob jung oder alt. Sehr freundliche Menschen, jeder hat ein „Word“.

Schokotart im Henry‘s

Am Nachmittag wieder um die Ecke zu Henri’s Restaurant und es gibt was Feines zum Essen. Drei hervorragende Gänge… und zur Feier des Tages eine Kleine Zalze Chenin Blanc. Anschließend ist die doch anstrengende mentale Vorbereitung, der lange Fluge und das gespannt erwartete Ankommen, etwas erschöpfend und wir sinken für zwei Stunden auf der Dachterrasse in die Liegen. Knappe 30 Grad, Meeresbrise, herrlicher Blick über Somerset West. Nein, das ist keine typische südafrikanische Stadt mit 60.000 Einwohnern vor den Toren Kapstadt. Gegen 19:30 geht die Sonne unter. Herrliches Licht über der Stadt, dem Meer im Hintergrund und den Heldersbergen um den Ort.

Ach ja, Bilder von der Gegend kommen … irgendwann … noch keine Lust.

Somerset West, 31.10.2025, 22:30

Ziemlich viel Chaos heute - Nicht Südafrika verursacht, eigener Schrott. Einkaufen im Foodlovers Market angesagt. Noch aus Pretoria bekannt, war immer, meist der Lebensmittel-Markt der Wahl. Ich werd noch gefragt, ob ich die Autoschlüssel hab. Greif in die Hosentasche - nichts. Kein Schlüssel. Ach kein Problem, wird schon in meiner Fototasche sein. Ne, auch nicht. Unruhe bei uns beiden kommt auf. Die Wohnung wird auseinander genommen, nichts. Vor zum Henri‘s von gestern Abend, nichts. Große Unruhe. Dem Hausmeister Bescheid gegeben, er kümmert sich und trägt den Verlust in die hauseigene WhatsApp-Gruppe ein. Noch mal nachgedacht. Wo ist der v… Schlüssel? Ist mir in 48 Jahren nicht passiert. Noch mal in der Wohnung nachgeschaut - eher der Vollständigkeit halber in die Hosentasche meiner Jeans gegriffen. Der Schlüssel ist da. Ein großer Ballast fällt ab. Das Telefon klingelt. Die Vermieterin ruft an. Ich kann Entwarnung geben. Auf dem  Gang werden wir von weiteren Bewohnerinnen angesprochen, ob wir das mit den Schlüsseln sind. Die Gemeinschaft kümmert sich.

Ab in die Somerset West Mall. Erst mal in den Foodlovers Market. Am Eingang fehlen mir meine Unterlagen. Reisepass etc. Ach ja, sind im Auto. Ich geh schnell zurück, mach den Kofferraum auf und PENG. Der Kofferraumdeckel des Polo bleibt nicht oben und ich ramme meinen Schädel mit großer Wucht an die Kante. Tut weh, aber ist Nix passiert. Wir kaufen unsere Lebensmittel fürs Wochenende ein. Ziemlich günstig und frisch. Noch in die Mall zum Checkers oder Pick‘n Pay, ein paar Kleinigkeiten besorgen. Im Kreisverkehr bin ich außen, hab  noch eine Ausfahrt vor mir. Das weiß der Lieferbote auf dem Motorrad neben mir nicht und will mich überholen. Ich bleib ja in der Kurve, er will  rausfahren. Unfall gerade noch vermieden. Es reicht für heute. Wir gehen noch in die Mall. Deutlich angenehmer als Menlyn. Letztlich die gleichen Läden. Viele Besucher haben leere Augen. Man sieht ihre täglichen Sorgen. Und dennoch sind alle freundlich. Ist schon eigenartig hier. Es gefällt uns. Ist so komplett anders als in Pretoria. Eine Nachbarin erzählt, dass die Ecke dort komplett verkommt. Zu viele wirtschaftliche Probleme mit den entsprechenden Folgen für die Bevölkerung. Ab nach Hause. Erst mal ein Castle zischen. Ich koche heute, draußen regnet es etwas und wir machen uns einen schönen Abend. Viel Lärm um Gottseidank nichts. 

Blick auf die Helderberge

Das ist im Grunde das Hauptziel der zwei Wochen. Können wir einfach so hier Leben, um den Winter ab nächstem Jahr daheim zu umgehen, ohne jeden Tag Sightseeing zu machen? Also am Tag zwei sieht es gut aus.  

Nur die Geschichte mit dem Plug and Paste der Bilder klappt mit den Fingern nicht so prickelnd. Formatiert wird Zuhause in München.

Blick auf Somerset West
Unsere DachterrasseUnsere Dachterrasse

Alleine die Dachterrasse ist ja schon eine Sünde wert. Die Welt außen vor, etwas Smooth Jazz aus dem Lautsprecher und der Himmel ist nah.

Und dann erinnert das Lebensgefühl wieder an München. Kann beides „daheim“ sein? Jetzt, nachdem wir alle anderen Besichtigungen abgesagt haben - ja, das Pretoria-Feeling ist wieder da. Erste Besichtigung, gleich 100%.

Wir haben ja noch Zeit.

Wohn-, Esszimmer
Wohnzimmer zum Wohlfühlen
Schlafzimmer oben


Unten gibt es noch ein Gästezimmer mit en-suite Badezimmer, oben anschließend an das Schlafzimmer ein großes Bad und einen großen begehbaren Kleiderschrank, alles da alles drin. Wir könnten eigentlich gleich einziehen. Nur noch ein paar wenige Anschaffungen und alles wäre gut. Ach ja, eine abschließbare Einzelgarage ist auch dabei.

Samstag, 1.11.2025 Somerset West

Ganz im Gegensatz zu gestern ein wunderbar entspannter Tag. Spätes dennoch umfangreiches Frühstück - Biltong und Dryworsch inklusive, die Erdbeeren schmecken sensationell, kommen ja nur ein paar Kilometer weg von hier und es ist Erdbeerzeit. Auch die Grapefruits, die „eigentlich“ noch Lagerware sein müssten, saftig und wie Grapefruits schmecken müssen. Sogar das Vollkornbrot schmeckt und ist dabei noch gar nicht vom deutschen Bäcker um die Ecke.

Danach noch einmal - diesmal ohne Schrecksekunde - zur Somerset Mall. Es fehlen noch ein paar Kleinigkeiten wie ein Dosenöffner für die Schältomaten für die Pasta und zwei Sportmatten. Wir sind das so gewöhnt, dass es ohne nicht gut ist. 

Wieder zurück in die Wohnung, Kaffee und ab Richtung Stellenbosch. Das ist nicht Südafrika, nicht das, was wir aus Pretoria kennen. Grüne Hügel, es ist vergleichsweise Mai bei uns, Pferdekoppeln, die vielen berühmten Weingütern. Nicht nur das. Die Infrastruktur gewaltig. Neue vierspurige Straßen, einen PKW Park wie in Starnberg, Golfplätze. Die Berge zum Greifen nah. Da hat der Markus Söder, der heute hier sein soll, einen großen Spaß in seiner Partnerregion. Ein Cruisen wie in Oberbayern. Ist schon sehr nett hier. In die Gegend kommen wir sich häufiger. Ist ja nur 20 Minuten Weg von hier. Zurück Richtung Somerset West und weiter nach Strand - nein , nicht den Strand sondern den Ort Strand, in dem auch einige Wohnungen angeboten werden. Einfach die R 44 weiter. Weiter Richtung Meer, wo wir am Montag noch ein paar Wohnungen anschauen wollen. Na hier wird es dann doch schnell wieder südafrikanisch. Große Compounds mit mächtigen Mauern und Stacheldraht. Hmmm, ist auch nicht so schön hier. Weiter nach Harbour Island. Liegt direkt am Meer. Traumhaft schöne Anlage, in der unsere drei Wohnungen liegen sollen. Wir kommen am Eingang vorbei und fahren gleich weiter. Ne, so wollen wir nicht wohnen. So kommt mir „Voldemort‘s“ (Kurt Kisters Vergleich mit ihm) Mar al Lago vor. Sicher eine schicke Angelegenheit, ein wenig wie ein goldener Käfig. Sehr zufrieden fahren wir zurück in „unsere“ Wohnung. Hier fühlen wir uns wohl. Wenn, dann… schöner Samstag.

Sonntag, 2.11.2025, Somerset West

Orientierungsphase

Typische Orientierungsphase mit ups and downs. Ganz normal. Deswegen heute bei herrlichstem Wetter ein Ausflug an die nahe Küste und dort den Beach Drive in Harbour Island an der R44 zum Whale Watching Point und ein paar anderen View Points. Eine herrliche Strecke, eine herrliche Aussicht aufs Meer. Wie hat sich ein holländisches Kaffeegespräch ausgedrückt: Man fühlt sich so klein hier. Er hat ein Ingenieursbüro in Spanien, lebt da auch viel und hat direkt über dem Platz, an dem wir gerade sitzen, eine Wohnung mit weitem Blick über die herrliche False-Bay. Wir tauschen uns nett aus, er fährt mit seinem Range Rover wieder den Berg hoch. Bei all dem Luxus, den die Häuser am Bergrand ausstrahlen, ist uns zu weit vom Schuss. Er hatte die Wohnung während Corona gekauft als die Preise im Keller waren. Mittlerweile steigen sie gewaltig. Haben wir auch schon festgestellt. Weiter an der Straße mit herrlichem Blick aufs Meer. Immer wieder kurze Pausen, um das Licht, die traumhaften 25 Grad und die Aussicht zu genießen. Das Meer mit seinem satten Blau, in der False Bay auch mal Türkis. An den Berghängen blüht es gelb und blau. 

Da … sind Robben
False Bay

Wir hangeln uns von Whale Watching Point zu Whale Watching Point. Wale sehen wir zwar keine aber jede Menge Robben. Wie sagt Ute? Jeder fängt klein an.

Uns geht’s in der Entscheidungsfindung wieder besser. Alles ganz normal. Zurückbummeln an der Küstenstraße über den Bikini Beach - werden wir sicher auch mal länger bleiben - Gordon’s Bay, wo die Jacaranda Bäume in voller Blüte stehen, Strand und ab in unser Refugium. Ganz klar.

Montag, 3.11.2025, Somerset West

Wie sagt Ute? An emotional rollercoaster. Wahrscheinlich ganz normal. Heute ging’s wieder nach Stellenbosch. Bei wiederum herrlichstem Wetter, blauer Himmel, angenehme 25 Grad auf der vierspurigen R44 mit bestem Belag und großer Struktur bezgl. Ausschilderung biegen wir in die Dorp Straat und ab auf einen öffentlichen Parkplatz. Top modern mit QR-Code ausgestattet. Überhaupt hat sich Stellenbosch noch einmal gemausert. Es fühlt sich an wie Tegernsee, Bogenhausen, Starnberger See und Miesbach. Hier ist die Kohle - richtig richtig viel davon. Und derart sicher, die Studenten der berühmten Stellenbosch-Universität radeln, keine bzw. kaum Zäune. Hier kann man wohl auch Abends noch auf die Straße. Also Südafrika ist das nicht. Wenn sich Stellenbosch anfühlt wie beschrieben, dann ist Johannesburg wie das Frankfurter Bahnhofsviertel, nur viel größer und noch weniger sicher. Wir kommen sicher noch einmal hierher.

Zurück nach Somerset West, geht’s bei uns um die Ecke wieder zum SPAR. Heute warten keine Menschen an der Wursttheke, so ergibt sich die Muße, diese zu betrachten. Unfaßbar - vom deutschen Metzger. Daneben liegen die Christstollen. Ein wenig Heimat brauchen die deutschsprachigen Rentner um uns herum doch auch.

Wursttheke beim SPAR


Stimmt, es kommt die Weihnachtszeit, unglaublich

Zum Abschluss ein Besuch um die Ecke bei Henri‘s. Platz im Freien, ein paar Prawns in Peri-Peri Sauce auf Avocado und ein 8-Stunden lang geschmortes Boeuf Bourguignon.

Dienstag 4.11.2025, Somerset West

What a day. Heute musste es einfach Kapstadt sein. Sind ja nur 40 Kilometer auf der N2. Nach dem ausgesessenen morgendlichen Stau nur knappe 40 Minuten. Wieder vorbei an Kayelitsha auf der dreispurigen bestens ausgebauten Autobahn hinein in die Mother City. Ja, die abgebrochene Autobahnbrücke ist noch da. War schon zur Fussball-WM 2010 der Fall. Viele neue Hochhäuser, alles schick. Parken an der V&A Waterfront im Parkhaus. War das letzte Mal (2013) auch noch nicht existent. Eine eigene Welt. Natürlich ist die V&A Waterfront touristisch, natürlich ist sie sehr teuer. Aber so schön. Ja, eine große Menge Deutscher. Aber die wissen ja nicht ;). Unser Ziel das Jetty 2 am Pier 1. Hier sollen die Boote vom „Clipper Round The World Yacht Race“ liegen. 10 Yachten, bestückt mit Privatpersonen, so 17 pro Boot, die um die Welt segeln. Und heute sollen sie hier ankommen. Zwei Boote liegen schon da. Müssen ganz frisch gekommen sein, da das musikalische Empfangskomitee, das später das dritte Boot mit herrlicher afrikanischer Folklore begrüßt, uns im Parkhaus begegnet ist. Die Frauen und Männer an Bord sind schon verdammt  abgerockte Typen. Von 23 Jahren bis 68 und von überall auf der Welt her. 

Das Rennen um die Welt

Hier die Links der Waterfront und vom Rennen selber. Und heute kommen sie von der direkten Route von Uruguay hierher. Wir sind ganz begeistert vom Event und fahren sicher noch einmal her, um ein, zwei Boote zu besichtigen.

Parkhaus, Stellplatz nicht vergessen

Die Waterfront selber strahlt noch immer - für Städter wie uns - etwas sehr Einladendes aus. Und die Malls haben noch einmal an Klasse zugenommen. Solche Shopping- bzw. Lustwandel-Einrichtungen wie wir sie in den letzten beiden Jahren in Kuala Lumpur, Singapur und hier gesehen haben, gibt es bei uns nicht. Überall erfüllen sie weiter ein ganz wichtiges Kriterium: Blitzblanke und frei zugängliche Toiletten. Bei uns schämt man sich ja direkt. Überhaupt - und das sei erlaubt - kann man den Auguren nur noch zustimmen, die Deutschland auf dem bereits abgestiegenen Ast sehen. Weder München noch Berlin, geschweige den Köln, Stuttgart etc. können ähnliche Angebote bieten.

Die Crew des heutigen Drittplatzierten wird begrüßt
Der Tafelberg. Immer wieder ein Highlight
Der Haupthafen der V&A Waterfront

Uns hüngert, wir gehen eine Kleinigkeit essen. Calamari paniert, Calamari gegrillt, Oliven, Hühnerstücke … ziemlich lecker. Und eine bzw. zwei neue Kapstadt-Mützen habe ich auch wieder  gekommen. Die Lieblingskappe ist schon sehr abgeliebt.

Was noch? Der Blick auf den fast wolkenlosen Tafelberg, Boote jeder Größenordnung, spannende Menschen aller Kulturen in guter Stimmung, schöne Musik und Kunst, einfach ein herrlicher Tag. Zurück dauert’s im Feierabendverkehr etwas länger. Jetzt erfreuen wir uns wieder an der Wohnung. Alles bislang richtig gemacht.



Mittwoch, 5.11.2025, Somerset West

Zurück vom frühen Abend- bzw. späten Mittagessen. Wir laufen gerne zu Henri‘s und das geht eben nur im Tageslicht. Herrliches Essen. Prawns mit spicy sauce, ein squid Salat mit Chorizo und Babyspinat zur Vorspeise. Dann aberwitzig gute Ribs und ein mit chinesischen Kräutern zubereiteter Ochsenschwanz. Wir sind satt. Rückblick: Beim Genuss der Ribs haben wir uns gefragt, wann wir das letzte mal diese Qualität genießen durften. Vor Urzeiten, also in den 1980ern in der Waldwirtschaft in Großehesselohe. Grummel über die Zustände daheim. Ach ja, das Essen mit ner Flasche Wasser und ner Flasche köstlichem Chenin Blanc von Kleine Zalze war heute teuer. Mit Trinkgeld 60 € - natürlich für beide.

Vollmond über Somerset West
Ideales Wetter für diese Jahreszeit

Zurück zum Morgen. Heute Nacht ein verrückter Vollmond über dem Helderberg. Die ganze Bucht bis runter nach Strand im hellen Mondlicht. So starker Wind, ebenso wie jetzt gerade, dass wir die Fenster nachts nicht öffnen konnten. Etwas schwierig aber was für eine Ruhe.

Wanderwege in Kirstenbosch
Kirstenbosch
Von Kirstenbosch nach Kapstadt
Blühendes Kirstenbosch
Was blüht heute?

Heute morgen ab nach Kirstenbosch, dem botanischen Garten von Kapstadt. Ist das verrückt? Unser insgesamt dritter Besuch in dreißig Jahren und wieder komplett begeistert. Wie ein großes, grünes Refugium. Zweieinhalb Stunden spazieren durch das satte Grün unterhalb des Tafelbergs. Wir lernen, dass der Tafelberg vor 250 Millionen Jahren einmal der Talgrund war. Heute eine prominente Erhebung über der Mother City. Es blüht und grünt, Proteas in allen farblichen und strukturellen Schattierungen, Vögelzwitschern, Grashüpfern und was weiß ich noch. Seelenbalsam mit dem weiten Blick auf Kapstadt. Ruhe im Inneren, etwas mehr Klarheit, wie es weitergeht.

Ein großartiger Tag am Kap.

Donnerstag, 6.11.2025, Somerset West

… dafür haben wir heute einen extrem Faulen. Der Wind noch immer sehr kräftig. Für unsere Verhältnisse ein Sturm. Durch die exponierte Lage unserer Dachterrassen-Wohnung wirkt er noch kräftiger. Es ist warm, und doch nicht gerade einladend, sich auf die Liege zu legen. Interessante Erfahrung. Mal sehen, was der Wind die nächsten Tage macht. Kurz einkaufen gehen, da heute Abend Zandile und Retabile für das Wochenende kommen, ansonsten einfach nichts tun. Nach Restaurants für das Wochenende suchen, die göttlichen Erdbeeren schnabulieren,  mit Leuten chatten, dösen, Gabi machen, einfach entspannen. Wird ein langer Abend. Ihr Flugzeug landet erst um 22:00.

Panorama von der windigen Dachterrasse

Sonntag, 9.11.1025, Somerset West

Uuuuh geht das schnell. Gegen 22:40 am Donnerstag kommen die beiden mit UBER an. Herzliche Begrüßung, Wein eingeschenkt und wir ratschen bis 1:45. Großartiger Austausch, bezeichnendes Willkommensgeschenk, inkl. Rollenzuteilung vom Rugby - Ute, der Poll No. 1, Ich, der Fallback No. 15. ist für uns ein Opener. Die beiden sind gute Beobachter und lesen die charakteristische Rolle der beiden Spielertypen vor. Paßt zu 100% auf uns. 

Unser Model für das Longridge Wine Estate
Ein Abend wie gemalt für uns vier
Das Essen … aus dem Garten frisch auf den Tisch

Gemeinsames großes Frühstück am Freitag, gegen 9:00. Ach ja, der Wind ist weg und es wird warm, sehr warm. Gegen Mittag Richtung Stellenbosch, es ist heiß. 36 Grad heiß. Viel an Laufen ist nicht zu denken. Vom Parkplatz Bus zu einem Kaffee, wo es Eiskaffee gib. Verrückter Austausch mit Zandile und Retabile, sehr offene Gespräche. Ein kurzer Spaziergang durch Stellenbosch- wir verziehen uns lieber wieder. Eine kurze Erholung in der Wohnung, duschen und fertig machen für das Abendessen. Tisch im Longridge Weingut gebucht. UBER holt uns ab, 15 Minuten zu fahren. Ein ruhiges, biodynamisches Weingut, keine Massenveranstaltung, nur wenige Gäste da. Wir gehen durch den Garten, wo die grünen Inhalte wachsen. Das Restaurant fein dekoriert, genau das Richtige für uns. Kein „Upmarket“ Luxus-Laden für Touristen und die feine Stellenboscher Gesellschaft, eher eine Familien-Location. Was für uns passt. Das Menü zum Sharen. Die Platten kommen einfach auf den Tisch und jeder nimmt sich. Dazu ein Weinpairing. Die Restaurantchefin schenkt richtig gut ein. Wir bekommen einen hervorragenden Rosé, den Longridge The Emily Rosé, einen Chenin Blanc, den Cabernet Sauvignon und einen feinen Dessertwein. Das Essen eine Erleuchtung. Ein Salat aus Kräutern aus dem Garten mit einem wahnwitzigen Fynbos-Dressing. Fynbos, zu denen auch die Protea gehört, wächst hier überall, schon in Kristenbosch in rauhen Mengen. Und das schmeckt. Als zweite Vorspeise Gnocchi mit Erbsen, ach, bevor ich weiter schreibe, wird einfach das Menü kopiert. Die Qualität der Ingredienzen und der Zubereitung umwerfend gut. Wieder zuhause, genießen wir den Rest des warmen Abends auf unserer Dachterrasse und quatschen und quatschen und quatschen. Kurze Nacht, da Walle Hartmann mit ihrer Maid Edwina um 9:00 kommt, Wohnung sauber machen. Aufstehen um 7:00. Am Frühstückstisch wird weiter gesprochen. Walle Hartmann kommt, wir tauschen uns aus und ich frag sie direkt, ob wir die Wohnung von November 2026 bis Februar 2027 buchen können. Sie freut sich, behält sich jedoch vor, wenn ein Ganzjahresmieter käme, wären wir raus. Na, das kicken wir mal. Also erst einmal haben wir uns entschieden. 

Die Racer um die Welt
„Kluger Hinweis“

Zandile und Retabile haben eine schwere Zeit hinter und noch vor sich. Retabile noch immer ohne richtige Aufträge, er wollte „eigentlich“ nicht mehr in Festanstellung. Wäre für die Familie sicherer. Eine Anfrage für ein Security Audit in einer Mine auf Madagaskar liegt auf dem Tisch. Wenig klare Informationen. Wir schauen uns die Sicherheitslage auf Madagaskar an - geht gar nicht. Zandile möchte sich mehr in ihren angestammten Beruf entwickeln, der Juristerei. Und sie sehen ihre Zukunft auch in Western Cape, aber erst nach eine Rückkehr nach Pretoria. Die Musik spielt nun mal in Johannesburg. Umzug ist auch nicht problemlos möglich, die Mietpreise stark gestiegen. Sie könnten sich ihr altes Haus nicht mehr leisten. Aber die Jungs sollte wieder in einen Compound. In Port Elisabeth in ihrem freistehend Haus können sie nicht auf der Straße spielen. Noch positiv aber doch sehr sorgenbelastet. 

Nach dem Frühstück mit UBER nach Kapstadt zur V&A Waterfront. Nicht mit dem Auto, da wir später etwas essen und vor allem trinken wollen. Ist ja auch bezahlbar. Der Fahrer erkundigt sich, ob wir später wieder mit ihm zurückfahren und gibt mir seine Nummer. Für die knappe Stunde 32€. Angekommen geht’s erst einmal zum shoppen. Wir haben den Kindern nichts mitgebracht, es gab ja - typisch südafrikanisch - kein so ganz klares Commitment. Wir hatten eh wenig Platz wegen der Safari-Klamotten. Die Jungs brauchen neue Klamotten. Zandile absolut klar, keine Designer Sachen, sie halten ja eh nur ein Jahr, bevor sie rauswachsen. Ein paar T-Shirts, ein paar Shorts und Hosen, für uns leicht machbar. Zandile kuckt etwas belämmert, Retabile klärt auf, dass sie jetzt ihre Emotionen bekämpft. Ein paar Tränen fließen bei ihr hinter der Sonnenbrille. Danach noch einmal zur Racing Pier. Alle 10 Weltumsegler liegen jetzt hier. Die Crew entspannt bzw. repariert etwas am Boot. Ganz normale Menschen. Erstaunlich viele Frauen als Skipper bzw. First Mate. Da hat sich glücklicherweise viel getan. Die Führungs- bzw. Expertenrollen auf einem derart harten Rennen von Frauen wahrnehmen zu lassen, ist eine kluge Entscheidung. Spannend, wie jung manche Skipperinnen sind. Manche von ihnen hängen auf ihren Booten herum und sofort ist ihre Präsenz spürbar.

Wegen der hohen Temperaturen wird der Spaziergang sehr kurz. Einkehr im La Parada, wo es ruhiger als um die Ecke ist. Wir lassen uns auf Sofas nieder, trinken Wasser und Rock Shanty, Retabile gönnt sich schon Bier, mir viel zu heiß. Und wieder wird geratscht und geratscht. Um uns herum die Touristen und Kapstädter und - das lernen wir von den beiden - Menschen aus den Townships. Uns interessiert ihr Wissen darüber. Es ist sehr spannend und langsam nachvollziehbar. Die Townships mit ihren Millionen Menschen im Land verstreut sind ein Produkt der Apartheid. Das hatte ich schon im „House of Bondage“ gelesen. Sie haben zwar kein fließendes Wasser und keine abgesicherte Elektrizität in ihren Blechhütten, aber jede hat eine Satelliten-Schüssel darauf und die meisten auch ein Auto davor. Meist alte Schrottmühlen, wir haben durchaus auch neuere BMW von dort kommen sehen. Retabile erzählt, dass viele der Bewohner absolute Fussballnarren sind und ihre Pässe voller Stempel anderer afrikanischen Länder sind, in die sie ihre Teams begleiten. Beide bestätigen, dass sie Township-Bewohner an der Waterfront erkennen. Sie zeigen und erklären. Die besonders herausgeputzten und oft in Farbharmonie innerhalb eine Gruppe von jungen Mädchen ausgesuchten Kleider, lange Haarextensions, einfach schick gemacht. Macht alles Sinn. Viele Bewohner kommen vom Land und sind nur zeitweise in Townships, um Geld zu verdienen. Durchschnittliche 5.000 Rand pro Monat - 250€. Keine Steuern, keine Abgabe für Elektrizität, die wird einfach abgeknabbert. Lebenskosten etwa 3.000 Rand pro Monat, macht 24.000 Rand pro Jahr auf die hohe Kante. Mittlerweile gibt es Supermärkte, Läden aller Art in ihrem Townships, eine komplette Infrastruktur. Eine abgeschlossene Gesellschaft. In Kapstadt sind wohl russische und andere Drogendealer unterwegs, die zunehmend Drogen in den Townships handeln. Die heftige Kriminalität im Land beschränkt sich nahezu ausschließlich auf die Townships. Die Erzählung könnte endlos weitergehen.

Auch gibt Retabile ein klares Bild von den Machtverhältnissen im Land. Die Musik spielt in Stellenbosch. Von dort aus werden die Fäden gesponnen. Viele CEO‘s verlegen ihre Zentrale in den mondänen und sicheren Ort. Die jährliche afrikanische Minenkonferenz findet in Kapstadt statt, Minenbosse leben in Stellenbosch, obwohl ihre Minen weit weg sind. Langsam wird das Bild klarer.

Die Hitze läßt etwas nach und wir machen noch eine kleine Runde. Gehen in eine Galerie mit wunderschönen Exponaten. Moderne afrikanische Kunst, Gemälde, Skulpturen. Uns fallen die Augen raus - nein, nicht schon wieder - so schön. An ein paar Bürohochhäusern vorbei, stehen am MOCAA. Da gehen wir sicher die Tage auch noch rein.

Entspannung im La Parada

Uns hüngert und Zandile führt uns ins Sevruga, einem Seafood-Restaurant am Hafen mit Blick auf den Tafelberg. Ich bekomme erst einmal Schnappatmung als ich die Angebote von der Tageskarte sehe. Das wir heftig teuer. Ne, Zandile macht das schon.  Traumhafte Sushi als Vorspeise, noch zum halben Preis, da vor, wenn auch knapp, vor 17:00. Dann vier Teller auf den Tisch und wir sharen schon wieder. Linguine mediterran, mit Prawns, mit Seafood und einmal  Calamari. Sehr sehr lecker. Wenn man bedenkt, dass wir in einer absoluten Touristenzone sind, ausgesprochen hervorragend. Eine Flasche de Grendel Rosé, der Tag ist unser Freund. Gegen 20:00 kommt der Fahrer - aus Zimbabwe und seit 2017 in Südafrika - und bringt uns zurück. Noch eine Flasche Wein, etwas Biltong und Drywors auf der Terrasse, wir alle sind müde. Aber heute Abend spielen die Bokkies noch in Paris. Spielbeginn 22:00 zu spät für uns zwei, wir gehen ins Bett. Kommt eine Meldung über Signal, Jens schickt Bilder und Filmchen. Er sitzt mit Johannes in Paris im vollen Stade de France und schaut sich das Rugby-Spiel an. Monsterstimmung, die Marseillaise hallt im Stadion wider.

Heute Morgen kurze Meldung von Retabile. Sie stehen erst um 10:00 auf - haben sich das Spiel angeschaut. Jetzt höre ich ihre Dusche laufen, sie kommen wohl demnächst.

Montag, 10.11.2025, Somerset West

Noch ein langes gemeinsames Frühstück am gestrigen Sonntag, gegen 13:00 fahren wir die beiden zum Flughafen. Der Abschied durchaus emotional. Ein sehr intensiver Besuch aus „Gqeberha (ᶢǃʱɛ̀ɓéːxà), bis zum 23. Februar 2021 Port Elizabeth[1] (kurz: P.E.)“. Wir hoffen, sie bald wiederzusehen und in Kontakt zu bleiben sowie sie ein wenig unterstützen zu können. Muss nur entsprechend umsichtig geschehen. Jeder Mensch hat eine Würde.

Waschtag ;)
Blick von unserer Dachterrasse aufs Meer

Zurück in der Wohnung merken wir die Erschöpfung. Drei intensive Tage liegen hinter uns. Also entspannen wir uns und lassen Geist und Körper hängen. Tut gut. Abendessen braucht es nicht, etwas Drywors und Biltong reicht vollkommen. Sobald es etwas kühler wird, ab auf die Terrasse und mit einem Glas Wein in der Hand intensives Einsaugen des Sonnenuntergangs über dem Meer.

Heute Morgen lange gepennt, es ist etwas grau draußen. Später ist Waschtag angesagt. Am Freitag geht’s ja weiter. Och, wir könnten hier noch viel länger bleiben.

Etwas lesen, die jetzt herausgekommene Sonne genießen, Rod Lucas und sein Smooth Jazz laufen im Hintergrund, die Süddeutsche Zeitung wird nicht geöffnet - keinen Bock auf die schlechte Stimmung in D und den Krieg und Lord Voldemort in USA, einfach keinen Bock. Ach ja, klar, jetzt gegen Mittag scheint die Sonne wieder. Ist ja Frühling.

Dienstag, 11.11.2025, Somerset West

Arbeitssicherheit geht anders ;)
Arbeitssicherheit geht anders ;)
MOCAA Architektur
MOCAA Architektur
Zorah Opokhu - Fotografie und Textile
Zorah Opokhu - Fotografie und Textile
Zorah Opokhu - Wandkunst
Zorah Opokhu - Wandkunst
Ausstellung mit Stücken aus der Sammlung Albie Sachs
Ausstellung mit Stücken aus der Sammlung Albie Sachs
MOCAA - Innenansicht
MOCAA - Innenansicht
viiiel Abstand halten
viiiel Abstand halten
Auf jeder Ausfahrt Stau
Auf jeder Ausfahrt Stau

Gerade wieder daheim angekommen; was für eine Fahrt.

Gestern Abend noch mit Oliver gemailt. Mal schauen, wie weit mein Arm noch in die AG reicht. Ist ja doch lange her. Zumindest will er sich Retabiles CV mal anschauen. Ist ja schon was. Vielleicht reicht es, um ihn wieder in die BMW zu bringen. Verdient hätte er es. Muss der Junge nur noch damit rüberkommen. Ist er auch kurz vor dem Schlafengehen. Seine Qualifikationen nicht von schlechten Eltern. 

Heute Morgen nach Gabi bei wiederum bestem Wetter ab nach Kapstadt. Die 25, 26 Grad tun uns gut. The Mother City is addictive. Knappe 40 Minuten für die 40 Kilometer, ich fahr ja langsam. Immer wieder vorbei an den Flat Caps, Kayelitsha und den anderen Townships. Auch wenn jetzt mehr drüber bekannt ist, wirken sie immer noch außerirdisch. Ziegenhirten neben der Autobahn, Menschen lungern herum, die Autobahn immer noch von Vielen zu Fuß überquert, aber auf jeder, wirklich auf jeder Blechhütte sitzt eine Satellitenschüssel. Wir sind uns einig, dass die aktuelle Entwicklung in den USA genau in die Richtung geht. Vielleicht kurzfristig nicht ganz so krass, aber schreckliche Armut wird von Lord Voldemort und seinen Nazgûl in Kauf genommen. Kurz darauf parken wir wieder an der Waterfront. Noch nicht so viel los, aber was los ist, spricht nicht selten unsere Landessprache. Unser Weg führt direttissima ins MOCAA (Zeitz Museum of Contemporary Art Africa), schon seit vielen Jahren unser Ziel in Kapstadt. Das Museum befindet sich in einem ehemaligen Silo, komplett futuristisch umgebaut. Sechs Stockwerke voller moderner afrikanischer Kunst. Nach zweieinhalb Stunden gehen wir komplett geflasht wieder raus. Es sind gar nicht so viele Exponate, die andere Kultur, damit auch Farben und Ausdrucksformen, sind recht anspruchsvoll. Ein ganzes Stockwerk mit der Ausstellung „spring is rebellious“, dem Anti-Apartheids-Kämpfer und -Künstler Albie Sachs gewidmet. Eine Wand mit drei Graphen besonders beeindruckend. Parallele Zeitgeschichte von ihm, Mozambique und Südafrika. Ein weißer Anwalt, der zeitlebens Aktivist ist. Geboren 1935, Freiheitskämpfer, vom Apartheidsregime verfolgt, hat im Exil in Mozambique bei einem Attentat einen Arm und ein Auge verloren. Dank solcher Kämpfer ändern sich die Verhältnisse. Die Sonderausstellung „We proceed in the footsteps of the sunlight“ von Zorah Opokhu, einer Ghanaisch-Ostdeutschen Künstlerin, die Fotografie und Textildesign studiert hatte, beeindruckt uns. „A Protea is not a flower“, Lerato Shadi und Robin Rhode verarbeiten das Leben und die Arbeiten von Gerard Sekoto, Bessie Head and Don Mattera. Komplett unterschiedliche Leben und Arbeiten, doch beschäftigen sich die drei mit ihrer Zeit während der Apartheid bzw. als Flüchtlinge und Migranten in Europa und den USA.

Ein Museum zum immer Wiederkehren. Es wird Zeit für einen Snack, wir bleiben dem La Parada treu. Schmeckt gut, ist etwas ruhiger. Neben uns ein Tisch mit vier Deutschen in den Anfangszwanzigern. Nicht zu interpretieren, was sie hierher gebracht hat. Eine Gruppenreise, das Studium, Expat-Eltern? Wäre spannend, herauszufinden. Ziemlich modisch gekleidet, etliche Tüten von Modelabeln bei sich. Wir schmunzeln. Andere Zeit, andere Welt.

Gegen 16:15 schwingen wir uns ins Auto, um zurückzufahren. 40 Kilometer, im Wesentlichen Autobahn, sollte schnell gehen. Wir haben schon Schwierigkeiten, überhaupt von der Waterfront wegzukommen. Rush hour. Gut, dass wir genügend Zeit haben. Blechlawinen wälzen sich nach Hause. Bei jeder großen Ausfahrt kurzes Durchatmen, jetzt wird’s leichter. Weder nach Paarl, noch nach Muizenberg, egal wo, denn nach jeder Ausfahrt folgt eine Auffahrt, von der sich wieder die Autos, Kleinbusse und Busse auf die N2 drängen. Trotz bis zu fünf Spuren keine Erleichterung. Erst nach Kayelitsha und ein paar Kilometer vor Somerset West löst sich der Stau auf. Und dann wird’s schlagartig ruhig. Zwei Stunden später sind wir wieder daheim. Die ganze Strecke hochkonzentriert. Auf drei Fahrspuren bewegen sich teilweise vier Fahrzeuge, am Standstreifen wird geradelt, zu Fuß gegangen, die Autobahn beliebig zu Fuß überquert, ohne zu blinken links oder rechts an den Rand gefahren, um Mitfahrer rauszulassen. Im Grunde bei allem Stau und Drückerei machbar. Ab Stauende pressen die Bukkies auf die Überholspur und spielen verrückt. Die Buren halt. Ja, das war ein nur schwer haltbares Vorurteil.

Der Abend endet wie schon manches Mal auf der Dachterrasse. Die Wolken kriechen über die Helderberge hinab, das Abendrot beleuchtet die Landschaft, das Meer im Hintergrund bei Strand sichtbar und wir in unserer Enklave.

Erster Abschiedsschmerz kommt auf.

Mittwoch, 12.11.2025, Somerset West

Strand in Gordons Bay

Also erst ein Riesenkompliment an das Wetter hier am Western Cape. 14 Tage beste Temperaturen, der Wind meist mild. Schlichtweg umwerfend. Immer zwischen 25 und 36 Grad, blauer Himmel. Erträglich durch die Nähe zum Meer hier im Übergang vom Atlantik zum Pazifik. Es kann auch anders sein, das wissen wir. John hat heute Morgen am Telefon erzählt, dass die letzten Tage in Pretoria kühl und nass waren. Ist zwar ein komplett anderes Klima als hier, 1.600 Meter höher und 1.500 Kilometer nach Nordosten. So kann es hier dennoch werden. Wir lassen es langsam angehen. Ute legt die Wäsche zusammen, ich schreib a bisserl im Tagebuch. Die Wohnung hier ist so hell. Wie in München. Da fällt es schwer, irgendeine andere Wohnung anzuschauen. Das hatten wir doch schon. Am frühen Nachmittag schwingen wir uns in den Polo, der bei uns eher ein Jetta oder Passat wäre und fahren an den Strand nach Strand. Wunderschönes Meer, breiter Strand. Na klar, sind ja auch in Strand. Sonst nicht viel. Die Atmosphäre nicht berauschend, Läden und Restaurants recht leer. Die hohen Apartmenthäuser teils etwas runtergekommen, teils neu und mondän. Erinnert mich flüchtig an Marbella durch das wir vor vielen Jahren mit Schaudern durchgefahren sind. Unser Spaziergang dauert nicht sehr lang. Mit dem Auto nur ein paar Kilometer weiter nach Gordons Bay. Schöne Häuser, sehr gepflegt, fühlt sich komplett anders an. Villen, die den Berg hinauf kriechen. Am Strand die gleichen normalen Menschen, wie am Strand in Strand. Lange Strandpromenade, ein paar Mütter und Väter spielen mit ihren Kindern am Strand, ein paar Menschen im Wasser. Kann nicht so kalt sein. Hier gefällt es uns. Der Spaziergang dauert deutlich länger. Schöne, ruhige Stimmung, friedliche Atmosphäre, friedliche und freundliche Menschen. Wir beobachten eine Weile von einer Parkbank aus. Hier sind wir Mensch! 

Später wieder nach Hause. Noch kurz beim SPAR ein paar Sachen eingekauft und wieder ab in unsere Enklave.

Voll sieht „anders“ aus


Donnerstag, 13.11.2025, Somerset West

Noch ein Waschtag, bevor es in den Busch geht

Last day, feels still like home. Draußen windet es ziemlich, blauer Himmel und warm. Egal, Pläne für heute gibt es keine mehr. Wir sind still, genießen die Wärme und Rodies Best Smooth Jazz aus London.  Vorbereitung auf Morgen, noch einmal waschen und trocknen, für morgen einchecken, entspannen. Fällt gerade nicht leicht, von hier weg zu gehen. Aber wir kommen ja wieder. Bin schon gespannt, wann. Ob erst im November oder im südafrikanischen Herbst. Soll auch schön sein. Aber dann haben wir in Europa Frühjahr. Und wenn das so wird wie 2025, ach viel zu viele Gedanken. Heute noch mal hier sein. Morgen zeitig, sehr zeitig aufstehen, Schlüssel abgeben und ab zum Flughafen. Die Wettervorhersage für Maun eher nicht so prickelnd. Es soll bis Montag regnen, genau, soll. Rodie grooved und der Trockner läuft. Ab heute Abend an die Malaria Prophylaxe denken. Die nächsten drei Wochen jeden Tag eine Pille.

Es fehlt noch Duschzeug für die nächsten zwei Wochen. Ein paar Meter weiter unten soll ein Clicks sein. Ganz schön warm draußen. An einem Marktplatz unterhalten wir uns, wo er jetzt sei. Kommt ein Mittdreißiger auf uns zu: „Was sucht Ihr? Ach, den Clicks, der ist 50 Meter weiter“. In einem sehr guten Deutsch. Wir staunen und reden mit ihm. „Wenn Ihr mal einen deutschsprachigen Anwalt braucht, mein Büro ist gleich da oben. Ich hoffe aber nicht“. Und weg ist er.

Auch, wenn Vodafone ZA bereits einen Vertrag mit Starlink verhandelt hat. Gefällt nicht, er hat einfach ein Monopol. Hab ja auch keine SIM-Card für Botswana, nur Südafrika.

Für jetzt melde ich mich mal ab. Im Busch eher kein WLAN oder 5G.

Ne, nochmal zurück. Wir sind ja sehr gewichtsreduziert unterwegs. Max. 20kg p.P. siehe oben. Jedes Pfund zählt. Und so haben wir weder Duschzeug - siehe oben - noch Insektenschutz dabei. Wir fliegen ja nur in ein Moskito-Gebiet. Auf der Website des Tour Providers steht, beides ist inklusive. Auf der packing list des Providers stehen beide Sachen zum mitbringen. Ja, was jetzt? Also wird angerufen. Das Büro ist auch in Somerset West, müsste nur ein paar Meter weg sein. Ganz schlechte Verbindung. Es dauert ewig, bis ich die Spezialistin für die Touren in Botswana Liz am Rohr hab. Wir können Deutsch sprechen, meint sie - ist doch mir wurscht. Dann meine ganz simple Frage: Wird auf der Tour Insektenspray gestellt oder nicht? Wiederhole, auf Eurer Webseite steht: Inklusive, auf der Packing List steht: Mitbringen. Sie gibt mir eine derart unprofessionelle Antwort. „Hmmmm, ich weiß es nicht, es ist besser, also ich bringe immer mein eigenes Mittel mit. Ich empfehle „Peaceful Sleep““. Das war nicht meine Frage. Ich hoffe, das Team, das die Tour durchführt, ist besser drauf. Na ist doch wahr. Bei 10.000€ für zehn Tage wird ein professioneller Umgang doch wohl erwartbar sein. Wir gehen etwas vorgespannt auf Safari.  Also ab nochmal zum Clicks und einer Apotheke. Ist ja nicht unsere erste Botswana Tour. Alle waren bislang top organisiert.

Aber jetzt ist Feierabend. Alles gepackt und das letzte Castle Lager schmeckt schon. Wir werden berichten bzw. Zitat Karl Heilmann: „Ich werde schriftlich schreiben“.